Lebensmittelsicherheitskultur als Führungsaufgabe

Seit die EU mit der Verordnung (EU) 2021/382 die Lebensmittelsicherheitskultur verbindlich in der Verordnung (EG) 852/2004 verankert hat, ist klar: Ein funktionierendes HACCP-Konzept und ein sauber dokumentiertes Managementsystem reichen nicht mehr aus. Gefordert ist zusätzlich etwas, das sich nicht in einem Ordner ablegen lässt – eine gelebte Kultur der Lebensmittelsicherheit.

Bild zeigt Lebensmittelsicherheitskultur care-impuls GmbH

Lebensmittelsicherheitskultur - eine Führungsaufgabe

Viele Unternehmer und Führungskräfte tun sich mit diesem Begriff schwer. Zu Recht, denn „Kultur" klingt abstrakt. Dabei ist die Definition der Global Food Safety Initiative erstaunlich konkret: Lebensmittelsicherheitskultur sind „gemeinsame Werte, Überzeugungen und Normen, die die Einstellung und das Verhalten in Bezug auf Lebensmittelsicherheit in einer Organisation beeinflussen." Übersetzt heißt das: Wissen alle Beteiligten – vom Staplerfahrer bis zur Geschäftsführung – warum ihr Handeln für die Sicherheit der Produkte zählt? Und handeln sie danach, auch wenn niemand hinschaut?

Genau hier entscheidet sich, ob Lebensmittelsicherheit nur dokumentiert oder tatsächlich gelebt wird. Und diese Entscheidung fällt nicht in der Qualitätsabteilung, sondern in der Führungsetage. Eine Kultur lässt sich nicht per Richtlinie verordnen. Sie entsteht durch das, was Führungskräfte im Alltag vorleben, wie sie auf Abweichungen reagieren und wofür sie tatsächlich Zeit und Budget bereitstellen.

Anforderungen der GFSI-anerkannten Standards

Auch die großen GFSI-anerkannten Standards wie IFS Food, FSSC 22000 oder BRCGS haben das erkannt: Sie prüfen längst nicht mehr nur Dokumente und Prozesse, sondern zunehmend auch, ob eine echte Sicherheitskultur im Unternehmen spürbar ist. Für Auditoren zeigt sich das oft schon in kleinen Momenten – etwa daran, wie offen Mitarbeitende über Probleme sprechen, wenn die Führungskraft im Raum ist.

Was bedeutet LebensmittelsicherheitsKULTUR konkret?

Führungskräfte, die eine starke Sicherheitskultur fördern wollen, setzen unter anderem auf:

Vorbildfunktion: Sicherheitsrelevantes Verhalten wird von der Führung selbst sichtbar vorgelebt – nicht nur eingefordert.

Offene Kommunikation und Fehlerkultur: Mitarbeitende können Abweichungen und Beinaheunfälle melden, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Nur was gemeldet wird, kann verbessert werden.

Ausreichende Ressourcen: Personal, Zeit und Schulungsbudget für Lebensmittelsicherheit stehen auch dann zur Verfügung, wenn der Produktionsdruck hoch ist.

Regelmäßige Sensibilisierung: Sicherheit wird nicht nur vor einem Audit thematisiert, sondern ist fester Bestandteil von Teambesprechungen, Schulungen und Führungskommunikation.

Einbindung der Mitarbeitenden 

Ideen und Rückmeldungen aus der Praxis werden aktiv eingeholt und ernst genommen – die Menschen an der Linie wissen oft am besten, wo es hakt.

Konsequentes Nachhalten: Maßnahmen werden nicht nur beschlossen, sondern auf Wirksamkeit überprüft und bei Bedarf nachgeschärft.

Klare Verantwortlichkeiten: Jede und jeder im Betrieb weiß, wofür sie oder er in Sachen Lebensmittelsicherheit konkret zuständig ist – nicht nur „irgendwie alle".

Keine dieser Maßnahmen ist für sich genommen neu oder aufwendig. Entscheidend ist, dass sie nicht einmalig, sondern dauerhaft und sichtbar gelebt werden – gerade dann, wenn Zeit knapp und der Druck hoch ist. Genau dort zeigt sich, ob eine Kultur trägt oder nur auf dem Papier existiert.

Der Effekt einer so gelebten Kultur ist messbar: weniger Abweichungen und Rückrufe, robustere Auditergebnisse, aber auch spürbar mehr Eigenverantwortung und Engagement im Team. Lebensmittelsicherheit wird dann nicht als lästige Pflicht wahrgenommen, sondern als gemeinsamer Anspruch, den alle mittragen. Umgekehrt gilt: Wo Führung Sicherheit nur einfordert, ohne sie selbst vorzuleben und zu ermöglichen, bleibt jede Kulturinitiative Papier – und die gesetzliche Pflicht wird zur reinen Formalie statt zu echtem Fortschritt...

Nutzen aus der gesetzlichen Pflicht ziehen

Die gesetzliche Pflicht mag der Anlass sein, sich mit dem Thema zu befassen. Der eigentliche Nutzen liegt aber woanders: Eine gelebte Lebensmittelsicherheitskultur stärkt die tatsächliche Sicherheit der Produkte – und damit das Vertrauen von Kunden, Handelspartnern und Zertifizierern in Ihr Unternehmen.

Wie erleben Sie das in Ihrem Unternehmen?

Was tun Sie als Führungskraft ganz konkret, um Lebensmittelsicherheit sichtbar vorzuleben?

Ich freue mich auf den Austausch in den Kommentaren.

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