Sieben Prüfbereiche, an denen die neue Version im nächsten Audit sichtbar wird

Bild KI-generiert
ie neue Version des Zertifizierungssystems FSSC 22000 ist veröffentlicht. Seit dem 1. Mai 2026 läuft der zwölfmonatige Umsetzungszeitraum. Audits nach FSSC 22000 Version 6 dürfen nur noch bis zum 30. April 2027 durchgeführt werden. Upgrade-Audits nach Version 7 finden anschließend im Zeitraum vom 1. Mai 2027 bis zum 30. April 2028 statt. Die FSSC Foundation erläutert den Zeitplan in ihren offiziellen FAQ.
Das klingt zunächst nach ausreichend Zeit. In der Praxis ist die Umstellung jedoch mehr als ein Austausch von Versionsnummern in Verfahrensanweisungen. Unternehmen müssen neue normative Grundlagen beschaffen und bewerten, ihre Präventivprogramme überprüfen, Zuständigkeiten festlegen, Maßnahmen umsetzen und die Wirksamkeit intern auditieren. Wer erst wenige Wochen vor dem Zertifizierungsaudit beginnt, wird Dokumente zwar noch anpassen können – für eine überzeugende Umsetzung und belastbare Nachweise bleibt dann aber kaum Zeit.
Die care-impuls GmbH empfiehlt deshalb, die Umstellung jetzt mit einer strukturierten Gap-Analyse zu beginnen. Die folgenden sieben Prüfbereiche zeigen, worauf Unternehmen besonders achten sollten.
1. Neue Architektur der Präventivprogramme verstehen
Die wichtigste fachliche Änderung betrifft die PRPs, also die Präventivprogramme. Version 7 ersetzt die bisherigen BSI-PAS- und ISO/TS-Dokumente durch die neue ISO-22002-x:2025-Reihe. Neu ist insbesondere die ISO 22002-100:2025. Sie enthält die gemeinsamen PRP-Anforderungen für die Lebensmittel-, Futtermittel- und Verpackungskette.
Je nach Tätigkeit kommt zusätzlich der einschlägige sektorbezogene Teil zur Anwendung, zum Beispiel ISO 22002-1:2025 für die Lebensmittelherstellung, ISO 22002-4:2025 für die Herstellung von Lebensmittelverpackungen oder ISO 22002-5:2025 für Transport und Lagerung. Ein Lebensmittelhersteller muss daher grundsätzlich sowohl Teil 100 als auch den für seinen Sektor geltenden Teil anwenden. Im Audit wird sichtbar werden, ob das Unternehmen beide Ebenen vollständig ermittelt, in sein Managementsystem übertragen und praktisch umgesetzt hat.
2. PRP-Dokumentation und betriebliche Praxis neu zuordnen
Viele bestehende Hygieneregeln bleiben fachlich richtig. Ihre Zuordnung und normative Grundlage ändern sich jedoch. Eine reine Umnummerierung reicht nicht aus. Unternehmen sollten jedes anwendbare PRP mit den vorhandenen Verfahrensanweisungen, Kontrollplänen, Checklisten und Aufzeichnungen abgleichen.
Die entscheidende Frage lautet: Wo wird die jeweilige Anforderung geregelt, wer ist verantwortlich und welcher Nachweis zeigt die wirksame Umsetzung? Besonders relevant sind dabei unter anderem Betriebsgelände und Gebäude, Medienversorgung, Reinigung und Desinfektion, Schädlingsmanagement, Personalhygiene, Lagerung, Transport sowie der Schutz vor Kontamination. Eine nachvollziehbare V6–V7-Matrix erleichtert nicht nur die Umstellung, sondern auch das interne und externe Audit.
3. Zertifizierungsumfang und Lebensmittelketten-Kategorie überprüfen
FSSC 22000 Version 7 führt eine klarer gegliederte Struktur der Lebensmittelketten-Kategorien und Unterkategorien ein. Das ist vor allem für Unternehmen mit mehreren Tätigkeiten, Standorten oder kombinierten Prozessen wichtig. Die gewählte Kategorie beeinflusst, welche sektorbezogenen PRP-Standards und welche zusätzlichen FSSC-Anforderungen anzuwenden sind.
Prüfen Sie deshalb, ob der bestehende Zertifizierungsumfang die tatsächlichen Produkte, Prozesse, Dienstleistungen und Standorte weiterhin korrekt abbildet. Abweichungen zwischen betrieblicher Realität, Scope-Formulierung und angewendeten Normteilen können im Audit unmittelbar zu Rückfragen und Feststellungen führen. Die offiziellen Scheme-Dokumente der FSSC Foundation sind hierfür die maßgebliche Grundlage.
4. Food Loss and Waste sowie Verpackungsdesign konkreter behandeln
Version 7 stärkt den Bezug zu den UN-Nachhaltigkeitszielen und erweitert die Anforderungen rund um Lebensmittelverluste, Lebensmittelverschwendung und nachhaltiges Verpackungsdesign. Für Unternehmen, die Primärverpackungen oder Verpackungsmaterialien gestalten, ist insbesondere die neue Anforderung zu Verpackungsdesign-Prinzipien relevant. Sie soll dazu beitragen, Lebensmittelverluste und -verschwendung zu reduzieren.
Dabei geht es nicht nur um möglichst wenig Verpackungsmaterial. Verpackungen müssen das Lebensmittel ausreichend schützen, die Haltbarkeit unterstützen und eine geeignete Nutzung ermöglichen. Aspekte wie Portionsgröße, Wiederverschließbarkeit, Restentleerbarkeit, Lagerhinweise und Schutzwirkung können deshalb Teil der Bewertung werden. Hintergrund sind unter anderem die Save Food Packaging Design Guidelines des Australian Institute of Packaging und das UN-Nachhaltigkeitsziel 12 zu nachhaltigem Konsum und nachhaltiger Produktion.
5. Auditdauer und HACCP-Studien korrekt vorbereiten
Auch die Regeln zur Auditdauer wurden angepasst. Für kleine Organisationen mit weniger als 20 Vollzeitäquivalenten und höchstens zwei HACCP-Studien kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Reduzierung auf eine Mindestauditdauer von 1,5 Audittagen möglich sein. Die Zertifizierungsstelle muss dennoch sicherstellen, dass Auditumfang und Komplexität vollständig abgedeckt werden.
Damit gewinnt eine fachlich saubere Abgrenzung der HACCP-Studien zusätzlich an Bedeutung. Unternehmen sollten nachvollziehbar darlegen können, welche Produkt- und Prozessfamilien aufgrund vergleichbarer Gefahren, Technologien und Abläufe gemeinsam bewertet werden. Eine künstliche Zusammenfassung zur Verkürzung der Auditzeit wäre fachlich riskant und dürfte bei der Prüfung kaum Bestand haben.
6. Das Upgrade-Audit als vollständiges Systemaudit behandeln
Das Upgrade auf Version 7 erfolgt nicht in einem losgelösten Kurzaudit. Nach den offiziellen FSSC-FAQ ist das Upgrade-Audit ein vollständiges Audit gegen sämtliche Anforderungen der Version 7 und wird beim nächsten fälligen Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudit im vorgesehenen Upgrade-Zeitraum durchgeführt. Es kann – abhängig vom Auditzyklus – auch unangekündigt stattfinden.
Das bedeutet: Zum Auditzeitpunkt müssen nicht nur geänderte Dokumente vorliegen. Die neuen oder angepassten Regelungen müssen eingeführt, den betroffenen Beschäftigten bekannt und anhand von Aufzeichnungen nachweisbar sein. Auch Abweichungen aus internen Prüfungen sollten bereits bewertet und wirksam bearbeitet worden sein.
7. Interne Auditoren und verantwortliche Personen gezielt schulen
Eine Gap-Analyse ist nur so gut wie das Verständnis der Personen, die sie durchführen. Interne Auditoren, Mitglieder des Food-Safety-Teams, Qualitätsmanagement und Prozessverantwortliche müssen erkennen können, welche Anforderungen tatsächlich neu sind, wo lediglich eine neue Struktur gilt und welche betrieblichen Nachweise künftig erwartet werden.
Die FSSC Foundation hat zudem die Qualifikationsanforderungen für Zertifizierungsauditoren an die GFSI Benchmarking Requirements 2024 und die differenziertere Kategorienstruktur angepasst. Das unterstreicht den stärkeren Fokus auf sektorbezogene Kompetenz. Für zertifizierte Unternehmen folgt daraus praktisch: Interne Auditoren sollten rechtzeitig auf Version 7 geschult werden und die Umsetzung prüfen, bevor die Zertifizierungsstelle vor Ort ist.
Jetzt in vier Schritten vorgehen
Ein belastbarer Umstellungsplan sollte mindestens folgende Schritte enthalten:
Anwendbare Scheme-, ISO- und PRP-Anforderungen ermitteln.
Gap-Analyse zwischen Version 6, Version 7 und der betrieblichen Praxis durchführen.
Maßnahmen mit Verantwortlichkeiten, Prioritäten und Terminen festlegen und umsetzen.
Wirksamkeit durch geschulte interne Auditoren prüfen und in der Managementbewertung behandeln.
Beachten Sie außerdem, dass die Board-of-Stakeholders-Entscheidungsliste der FSSC Foundation dynamisch ist und verbindliche Klarstellungen enthalten kann. Die offiziellen Unterlagen sollten daher bis zum Upgrade-Audit regelmäßig auf Aktualisierungen geprüft werden.
Halbtägiges Online-Webinar: FSSC 22000 Version 7 praxisnah umsetzen
Sie möchten wissen, was die Änderungen konkret für Ihren Betrieb bedeuten? Die care-impuls GmbH bietet ein halbtägiges, praxisorientiertes Online-Webinar zur Umstellung auf FSSC 22000 Version 7 an.
Anhand zahlreicher Beispiele zeigen wir:
welche Anforderungen sich gegenüber Version 6 geändert haben,
wie ISO 22002-100 und der passende sektorbezogene Normteil zusammenspielen,
wie Sie eine belastbare Gap-Analyse und einen realistischen Maßnahmenplan erstellen,
welche Dokumente und betrieblichen Nachweise im Upgrade-Audit relevant werden und
wie interne Auditoren die Umsetzung gezielt überprüfen können.
Das Webinar richtet sich insbesondere an Qualitätsmanagement- und Lebensmittelsicherheitsbeauftragte, Mitglieder des Food-Safety-Teams, interne Auditoren, Produktionsverantwortliche und Führungskräfte in FSSC-zertifizierten Unternehmen.
Warten Sie nicht bis zur Auditankündigung. Fragen Sie jetzt Ihren Platz im Online-Webinar an und planen Sie die Umstellung strukturiert, praxisnah und rechtzeitig.
Auf Wunsch unterstützt die care-impuls GmbH Ihr Unternehmen zusätzlich mit einer individuellen FSSC-V7-Gap-Analyse und einem betriebsspezifischen Maßnahmenplan.